eine meiner Aufgaben ist es, behinderte Menschen auf Urlaubsreisen und Ausflügen zu begleiten.
Zu einer besonders interessanten Begleitung und Betreuung forderte mich eines Tages *Axel (Name habe ich geändert) auf. Axel kann seit einem Unfall nicht gehen und sitzt deshalb in einem Rollstuhl.
Er lebt in einer Einrichtung, in der Behinderte betreut werden. Axel, der gerade einmal 34 Jahre alt ist, kann zwar nicht gehen, seine Beine gehorchen ihm nicht mehr, aber die anderen Funktionen seines Körpers - vor allem seine "Männlichkeitsfunktion", funktionieren bei ihm, wie bei jedem anderen gesunden Mann auch. Eines Tages rief Axel an, um mich über das Rotlichtviertel in der rue St. Denis in Paris auszufragen. Er hatte gehört, dass dort ganz besonders hübsche Frauen arbeiten würden. Bald waren wir uns einig, dass wir das nur durch einen persönlichen Besuch herausfinden würden und da Paris nur eine halbe Tagesreise entfernt liegt, beschlossen wir, diesen Besuch nicht auf die lange Bank zu schieben. Am nächsten Wochenende bereits schob ich Axel in seinem Rollstuhl durch die Rue Saint Denis. Vor jeder Eingangstür standen Damen, Brünette, Blonde, Schwarz - und Rothaarige, Schlanke, Dralle, Vollbusige und Twiggytypen. Eine hübscher als die Nächste und Axel fiel es zunehmend schwerer, sich zu entscheiden. Schließlich dirigierte er mich geradewegs auf eine rassige Dunkelhäutige mit temperamentvollen, dunklen Augen zu. Nach einer relativ kurzen Preisverhandlung waren sich die Beiden einig, und gerade als Axel seinen Brustbeutel aus dem Hemd nesteln wollte, fragte die Kleine, so ganz nebenher, wie ICH den schweren Burschen in seinem monströsen Rollstuhl die steile Treppe hinauf bekommen wollte. Wir waren ziemlich baff, denn daran hatten wir einfach nicht gedacht. Klar, in den meisten alten Pariser Häusern existieren auch heute noch immer keine Fahrstühle. Plötzlich rief uns die Nachbarin der Hübschen zu sich. Eine extrem vollbusige blonde Dame, ein Rubensmodell par Excellence, mit einem hüschen Gesicht und einem warmherzigen samtgrauen Blick. Sie sprach Französisch mit deutlich russischem Akzent und sie hatte unser petit Malheur mitbekommen.
"Auch ihr Arbeitszimmer würde im ersten Stock liegen, aber sie könnte Axel trotzdem dienlich werden" meinte sie, und wie herbei gezaubert, standen mit einem male zwei kräftige Herren, vom Typ "sibirische Eiche", neben uns, holten Axel aus seinem Rollstuhl und transportierten ihn nach oben. Die ganze Geschichte hatte allerdings einen kleinen Haken: Nachdem die Dame ihren Job erledigt hatte und Axel überaus glücklich und zufrieden im Arbeitszimmer auf seinen Rücktransport wartete, war weit und breit keine sibirische Eiche und auch kein russischer Braunbär mehr zu sehen. Die Herren hatten sich verzogen; das Geld war kassiert, der Job war erledigt, warum also jetzt noch unbezahlte Überstunden einlegen, mögen sie wohl gedacht haben?
Ich überlegte noch wie ich den schweren Axel unbeschadet die steile Stiege wieder hinunter bekommen könnte, als die Blonde, einen gar nicht so blonden Einfall hatte: sie zog den schweren Perserteppich zurecht und hieß mich, Axel darin einzuwickeln. Dann zogen wir gemeinsam den zu einer Mumie mutierten Burschen sachte, Stufe für Stufe nach unten, wo wir alle drei auch unbeschadet ankamen. Alles in allem war das ein tolles Erlebnis über das wir noch lange lachen werden
Dienstag, 9. Januar 2007
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